MITTWOCH, 02. Januar.2008

Mit Vollgas in die Kurzkampagne

Beim Neujahrsumzug marschieren zahlreiche jubilierende Garden mit / Baum für Beutel

Die Uniformen sind frisch gestärkt, Instrumente poliert: Jetzt kann sie kommen, die Kurzkampagne. Mit Schwung und flotten Märschen sind 23 närrische Korporationen am Neujahrsmorgen durch die Straßen der Stadt gezogen.
Von Maike Hessedenz
Auch frostige Temperaturen können echte Narren nicht abhalten, den ersten Pflichttermin am Neujahrsmorgen zu absolvieren – gerade in diesem Jahr heißt es von Anfang an voll durchzustarten, schließlich ist in fünf Wochen schon wieder alles vorbei. Während die Polizei, die den Zug anführt, noch eher verhalten „Prost Neujahr“ über den Lautsprecher wünscht, legen sich die Garden voll ins Zeug: Die Ranzengarde hat unterwegs einen verdorrten Christbaum aufgegabelt und überreicht das mit Lamettaresten behangene Stück feierlich Oberbürgermeister Jens Beutel und MCV-Präsident Richard Wagner. Auch die Mainzer Rittergilde hat Grünes dabei: Zum 50. Geburtstag winken die Mitglieder mit bunten Sträußchen in Richtung des Publikums. Die Eulenspiegelgarde startet an Neujahr ins 20. Vereinsjahr, die Burggrafengarde Weisenau marschiert klingend ins 60. Jubiläum. Auch die Hechtsheimer Dragoner haben sich herausgeputzt, schließlich feiern sie ihren 55. Geburtstag. Schon am Wochenende steht für sie der nächste Termin an: „Unsere Fahnenweihe im Gottesdienst“, freut sich Präsident Michael Licht. Gratulation an alle Geburtstagsgarden und -vereine gibt´s schließlich vom OB: „Die Füsiliere, die laut Reim, ihr Domizil in Gonsenheim, und die es mutig und erfahren, schon gibt seit 55 Jahren. Wie die Maletengarde auch, die unser närr´sches Mombach brauch´“, hatte Beutel gereimte Glückwünsche für die Jubilierenden mitgebracht. Am 1. Januar sind die Mainzer in der Kampagne angekommen – nicht nur hunderte Kappen blitzen am Straßenrand empor, der eine oder andere kleine Narr ist sogar schon verkleidet. Und dann gibt es ja noch Jasmin und Karin Feltes, die auch an Neujahr allen, die noch nicht ausgestattet sind, Schals und Zugplakettchen verkaufen. „Das ist Tradition“, meint die 60-jährige Karin, „wir kennen es von Kindheit an nicht anders. Außerdem ist der Umzug so schön, da macht es auch nichts, am 1. Januar früh aufstehen zu müssen“, ist sie sich mit ihrer 16-jährigen Enkelin einig. Und auch Fastnachtsneulinge haben ihren Spaß: „Ist mal ´ne ganz andere Art, den Neujahrstag zu verbringen“, staunt Christian Fucks, der aus Bayern zum Silvesterfeiern nach Mainz gekommen war, „eine erfrischende Abwechslung, so schwungvoll ins Jahr 2008 zu starten.“

Da staunt der kleine Vertreter der Husaren: So viele Garden feiern dieses Jahr Jubiläum! hbz/Stefan Sämmer